TL;DR: Das Wichtigste
- Die Vorsorgeguthaben und das produktive Verwaltungssystem bleiben geschützt, da der Angriff die Infrastruktur eines externen Dienstleisters und nicht die der Schweizerischen Bundeskasse betraf.
- Die gestohlenen Dateien enthalten AHV-Identifikationsnummern, Adressen, Gehälter und familiäre Angaben zu Angehörigen der Schweizer Nachrichtendienste sowie zu ehemaligen Mitgliedern des Bundesrats.
- Der Nachrichtendienst des Bundes hat Auslandseinsätze ausgesetzt, um die Sicherheit von Mitarbeitern zu gewährleisten, die unter einer Tarnidentität tätig sind.
- Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat am 22. Oktober 2026 ein formelles Untersuchungsverfahren gegen die PK Softech AG eingeleitet.
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Durch den Cyberangriff auf die Infrastruktur der Firma PK Softech AG sind die Verwaltungsakten von mehr als 100’000 Beschäftigten der Schweizerischen Eidgenossenschaft der Gefahr ausgesetzt, im Darknet in böswilliger Absicht verbreitet zu werden.
Die Cyberkriminellen-Gruppe fordert Lösegeld unter Androhung einer Veröffentlichung
Durch den Angriff auf den IT-Spezialisten PK Softech AG gelangte die Cyberkriminellen-Gruppe Akira Ende September 2026 an Daten der Schweizer Vorsorgekasse Publica. Die Angreifer fordern nun eine Geldzahlung und drohen damit, die erbeuteten Dateien zu verkaufen oder öffentlich zu verbreiten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.
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Wie das ICTjournal berichtet, betreffen die Dokumente Mitarbeiter der Schweizer Verwaltung, Bundesrichter, Elitesoldaten, ehemalige Bundesräte sowie Mitglieder der Geheimdienste. Lediglich die amtierenden Mitglieder des Bundesrats scheinen von dieser massiven Datenerhebung verschont geblieben zu sein.
Die Aussicht, dass diese Unterlagen auf illegalen Plattformen veröffentlicht werden, birgt ein unmittelbares Risiko von Identitätsdiebstahl und gezielten Betrugsdelikten. Die Situation hat die Schweizerische Eidgenossenschaft dazu gezwungen, einen Krisenstab einzurichten, während der Nachrichtendienst des Bundes auf bestimmte Auslandseinsätze verzichten musste, um verdeckte Mitarbeiter zu schützen, deren tatsächlicher Arbeitgeber dadurch identifizierbar wird.
Laut der Pressemitteilung von Publica könnte der Datendiebstahl folgende personenbezogene Daten betreffen:
- Substantiv
- Vorname
- Geburtsdatum
- AHV-Nummer
- Adresse
- Telefonnummer (geschäftlich und privat)
- E-Mail-Adresse (beruflich und privat)
- Vorsorgeangaben (z. B. Lohn, versicherter Verdienst, Vorsorgeguthaben)
- Personenstand
- Angaben zur Ehefrau oder zum Ehemann bzw. zur Partnerin oder zum Partner
- IBAN
Der Angriff auf den externen Dienstleister hat keine Auswirkungen auf die Renten
Die technischen Überprüfungen ergaben rasch, dass die Finanzguthaben und die regelmässige Auszahlung der Renten nicht gefährdet sind. Nach Angaben des SRF verwaltet Publica in der Schweiz Vermögenswerte in Höhe von fast 45 Milliarden Franken für 110’000 Versicherte und Rentner, und ihr produktives Verwaltungssystem wurde nicht beeinträchtigt.
Dennoch haben die Hacker Verwaltungsdatenbanken abgefangen, die im Rahmen der Softwaretätigkeit an den externen Dienstleister übermittelt worden waren. Die Einrichtung wies auf der offiziellen Website von Publica darauf hin, dass sie niemals Passwörter oder Bankdaten per Nachricht abfragt, und forderte ihre Mitglieder gleichzeitig auf, auf mögliche verdächtige Kontaktaufnahmen zu achten.
Die Webplattform von Publica war zudem am 21. Oktober 2026 vorübergehend ausser Betrieb. Die Behörde erklärte, dass diese vorübergehende Unterbrechung der Behebung verschiedener, weltweit auftretender Software-Sicherheitslücken diente und in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem Vorfall stand, der das Netzwerk ihres Dienstleisters betraf.
Analyse
Die Sicherheit externer Dienstleister stellt nach wie vor ein echtes Sicherheitsrisiko dar. Jede Organisation kann Opfer eines Cyberangriffs werden, weshalb die Sicherheitsmassnahmen auch für externe Dienstleister gelten müssen. Die Auslagerung darf nicht als Vereinfachungsmassnahme betrachtet werden, da sie die Einrichtung von Kontroll- und Berichtsmechanismen erfordert, mit denen sichergestellt werden kann, dass die zur Verarbeitung anvertrauten Daten ordnungsgemäss geschützt sind. In einer Organisation wie dem Bund, die über eine sehr grosse Anzahl externer Dienstleister verfügt, ist dies eine komplexe Herausforderung. Im vorliegenden Vorfall handelt es sich jedoch um wichtige personenbezogene Daten von Bundesangestellten, die laut den Pressemitteilungen Folgendes betreffen könnten: Name, Vorname, Geburtsdatum, AHV-Nummer, Adresse, die geschäftliche und private Telefonnummer, die geschäftliche und private E-Mail-Adresse, Vorsorgedaten wie Lohn, versicherter Verdienst oder Vorsorgeguthaben, den Familienstand, Angaben zur Ehefrau oder zum Ehemann bzw. zur Lebenspartnerin oder zum Lebenspartner sowie die IBAN.
Die Schweizer Behörden leiten gerichtliche Verfahren ein
Die Bundesanwaltschaft hat nach Einreichung der Anzeige, die unmittelbar nach der Aufdeckung des Angriffs erfolgte, ein Strafverfahren eingeleitet. Fachleute der Verwaltung arbeiten mit der PK Softech AG zusammen, um den genauen Umfang der entwendeten Dateien zu ermitteln und festzustellen, ob andere Pensionskassen, die Kunden des Unternehmens sind, einen ähnlichen Schaden erlitten haben.
Die Aufsichtsbehörden haben zudem direkte aufsichtsrechtliche Schritte eingeleitet. Wie der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte darlegt, richtete sich am 14. Oktober 2026 zunächst eine informelle Anfrage an Publica, bevor am 22. Oktober 2026 eine formelle Untersuchung gegen die PK Softech AG eingeleitet wurde, um mögliche Sicherheitsverstösse zu prüfen.
Dieser Vorfall rückt die Erkenntnisse wieder in den Fokus, die aus dem Angriff auf das Unternehmen Xplain im Jahr 2023 gewonnen wurden, bei dem durch einen Einbruch bei einem Drittanbieter bereits Daten der Schweizer Bundesverwaltung offengelegt worden waren. Der Vorfall bestätigt, dass die Sicherheit von Informationssystemen nach wie vor von der Widerstandsfähigkeit jedes einzelnen externen Partners abhängt.
Häufig gestellte Fragen zum Angriff auf PK Softech und Publica
Welche Gefahren gehen von der Akira-Gruppe für die gestohlenen Daten aus?
Die Cyberkriminellen-Gruppe „Akira“ fordert die Zahlung eines Lösegelds und droht andernfalls damit, die bei der PK Softech AG entwendeten vertraulichen Dateien im Darknet zu verkaufen oder öffentlich zu verbreiten.
Sind die Finanzguthaben und Renten der Versicherten von Publica gefährdet?
Die Vorsorgeguthaben und die Rentenzahlungen sind keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt. Das produktive Verwaltungssystem der Schweizer Pensionskasse war von dem Hackerangriff auf die Server ihres Dienstleisters nicht betroffen.
Welche Personengruppen sind von dem Datenleck betroffen?
Von den gestohlenen Dateien sind mehr als 100'000 Angestellte und Pensionäre der Schweizerischen Eidgenossenschaft betroffen, darunter Bundesrichter, ehemalige Mitglieder des Bundesrats, Elite-Soldaten und Angehörige der Nachrichtendienste.
Welche Massnahmen wurden von den Bundesbehörden eingeleitet?
Die Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren eingeleitet, und es wurde ein Krisenstab auf Bundesebene eingerichtet. Parallel dazu führt die Schweizer Datenschutzbehörde eine formelle Untersuchung gegen den IT-Anbieter durch.
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